Presse

"Vom eigenen Erfolg berauscht"

18.09.2017 (Oranienburger Generalanzeiger)

Oberkrämers Trainer Marco Meißner sieht starken Auftritt seiner Jungs


Von Steffen Kretschmer

Glienicke (OGA) Es war ein Vergleich zweier Meisterschaftsfavoriten. Der 1. SV Oberkrämer kämpft seit Jahren um den Aufstieg und will unbedingt in die Kreisoberliga. Der SV Glienicke sprach vor Saisonbeginn von nichts anderem als dem Titel. Zwei Teams, ein Ziel. Von einem Duell auf Augenhöhe war diese Partie jedoch weit entfernt.
 

84 Minuten waren gespielt, als Glienickes Francis Banecki beim Stand von 1:12 die Trainerbank verließ und in Richtung Kabine lief. Mit dem Schlusspfiff war er von der Anlage an der Bieselheide verschwunden. Zum Spiel äußern wollte sich der SV-Coach nicht.

Das tat später Fabrice Onema Wotepa, Abteilungsleiter der Glienicker. Es sei natürlich nicht gut, wenn der Trainer einfach so vom Spielfeldrand verschwinde. "Ich kann aber verstehen, dass Francis von so einem Spiel bedient ist. Das ist ja schon beim Training der Fall."

Wotepa kündigt für die kommenden Tage reichlich Redebedarf an. Der so selbstbewusst in die Saison gestartete und im Vergleich zur vergangenen Spielzeit personell umformierte SV Glienicke muss sich schon nach vier Spielen (zwei Siege) in der Kreisliga West fragen, wo die Reise hingehen soll. "Bei Niederlagen sieht man, wer ins Team passt und wer nicht. Wir müssen jetzt handeln", sagt der Abteilungsleiter.

Fabrice Onema Wotepa ist enttäuscht von seinen Jungs. Er habe gehofft, dass es ein Anreiz sei, einen bundesligaerfahrenen Trainer ins Boot zu holen. Doch das Gegenteil ist im Moment der Fall. "In den vergangenen zwei Wochen hatten wir eine sehr niedrige Trainingsbeteiligung. Francis hat manchmal nur fünf oder sechs Spieler bei den Einheiten", erzählt Wotepa. "Das war gegen Oberkrämer zu sehen. Unser Gegner war läuferisch extrem stark. Wir konnten nur 20 Minuten lang mithalten. Danach wurden wir überlaufen und der 1. SV konnte machen, was er wollte."

Der große Unterschied am Sonnabend: Während beim SVG ein lebloses Team auf dem Platz stand, begeisterte Oberkrämer die zahlreich mitgereisten Fans mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Es war ein Auftritt seiner Jungs, den Trainer Marco Meißner so noch nicht gesehen hatte. "Wir versuchen seit drei Jahren aufzusteigen. Doch das war das erste Mal, dass über die kompletten 90 Minuten richtig Feuer drin war. Wir waren vom eigenen Erfolg berauscht", sagt er.

Seine Elf fand in nahezu jedem Moment die richtige Lösung. Konter, Pressing, Zweikämpfe - Oberkrämer packte alles aus und war daher für den SV Glienicke überhaupt nicht auszurechnen. Offensiv drückten vor allem Nicolai Jelitto und Oliver Dölling dem Spiel den Stempel auf. Zusammen erzielten sie sieben Treffer. Den Sieg des 1. SV Oberkrämer jedoch nur auf diese beiden zu reduzieren, wäre zu einfach. Alle Meißner-Schützlinge hauten sich mächtig rein und wuchsen über sich hinaus. Dem Trainer imponierte zudem die Selbslosigkeit seiner Spieler. Stand ein Nebenmann besser, wurder er auch angespielt. "Jeder gönnt dem anderen alles", freut sich der Coach.

Dass sein Team und auch er nach einem missglückten Start richtig in der Spur sind, lässt Jelitto optimistisch nach vorn blicken. "Nach dem verlorenen Spiel zum Auftakt gegen Häsen waren wir richtig angefressen, und auch ich habe mich in den vergangenen Wochen im Torabschluss ziemlich blöd angestellt. In Glienicke lief es richtig gut. Auch wenn unser Gegner keinerlei Moral gezeigt hat, ist dieses Ergebnis schon ein Statement."